Geschichte

Der RRC Bern besteht zur Zeit aus über 220 Mitgliedern. Nachdem der Schweizer Radsport nach einer Blütezeit in den Neunzigern zuletzt einige magere Jahre durchstehen musste, sind wir überzeugt, dass das Pendel nun wieder zurückschlägt, vor allem in der Region Bern, wo mit David Loosli und Fabian Cancellara zwei Einheimische für positive Schlagzeilen sorgen. Der Rad Renn Club Bern ist besorgt dafür, eine Reihe von Unterstützungsmöglichkeiten zu bieten und somit die Freude am Radrennsport weiter voran zu treiben. Erfolgreiche Vereinsgründung 

Der im Jahre 1933 gegründete Radrenn Club Bern (RRCB) und heute über 200 Mitglieder zählende RRCB hat eine bewegte Vereinsgeschichte. Als am 24. März 1938 Oscar Plattner, als 16jähriger, im damaligen Vereinslokal "Oberer Hopfenkranz" an der Neuengasse in Bern, seinen Beitritt zum RRCB gab, ahnte noch niemand, dass der kaufm. Lehrling einmal zu einem Stück Vereins- ja sogar nationaler Radsportgeschichte werden würde. Insgesamt eroberte Plattner 21 Schweizer Meistertitel (Sprint, Strasse, Mannschaft und Americaine).

Nach dem er am 25. August 1946 auf der Rennbahn Oerlikon Amateur-Sprinterweltmeister geworden war, eroberte er 1952 in Paris, als weitere Krönung, den Titel als Profi-Sprinterweltmeister.
Obwohl Plattner auch auf der Strasse Erfolge feiern konnte, wandte er sich immer mehr dem Bahnrennsport zu. Er gehörte nicht nur zu den weltbesten Sprintern, sondern gewann mit verschiedenen Partnern auch Americaines und 6-Tage-Rennen und stellte verschiedene Bahn- und Weltrekorde auf. Es würde den Rahmen dieser Rückschau sprengen, wollte man alle Erfolgsstationen dieses erfolgreichen Vereinsmitgliedes aufzählen.

1965 beendete Plattner seine mehr als 25jährige Aktivzeit und startete zu einer zweiten Karriere als Nationaltrainer, die er 1982 ebenso erfolgreich abschloss. In dieser Zeit hat er in der Schweizer Radsportszene einiges bewegt und Strukturen geschaffen, von denen der SRB (heute Swiss Cycling genannt) noch heute profitiert. Nicht zu vergessen sind der Gewinn der Olympia- und WM-Medaillen, die ihm mit der Nationalmannschaft den Bahn- und Strassenfahrern gelangen, u.a. 1972 Olympiagold mit Robert Dill-Bundi und 1980 der WM-Titel mit Gilbert Glaus. Er war auch „Erfinder“ des Kilometer-Tests. Aus dieser Talentschmiede sind u.a. Weltmeister Xaver Kurmann (Verfolgung), Weltmeister und Olympiasieger Robert Dill-Bundi (Verfolgung), sowie der mehrfache Weltmeister Urs Freuler (Punktefahren) hervorgegangen.

In der langen Vereinsgeschichte sorgten mit oder neben Plattner auch andere RRCB-Aktive für sportliche Schlagzeilen. Unvergessen bleibt das RRCB-Erfolgsjahr 1946 mit dem Gewinn der Schweizer Mannschaftsmeisterschaft, nachdem Plattner bereits die Schweizer Sprinter- und Strassenmeisterschaft gewonnen hatte und wie schon erwähnt Sprinter Weltmeister wurde und zudem auch die Strassen-WM auf dem ausgezeichneten 7. Rang beendete. Zur Erinnerung an das RRCB-Erfolgsjahr 1946 gründeten ehemalige Aktive anfangs der 70er Jahre, als der Veloboom der Neuzeit den Anfang nahm, den „Club 46“.


Thomas Wegmüller in einer neuen Zeitepoche
Es war der denkwürdige 27. Juli 1986 als mit Thomas Wegmüller ein weiteres RRCB-Mitglied den begehrten Titel eines Schweizer Elite-Strassenmeisters eroberte. Für Wegmüller war dieser Titelgewinn zugleich der Beginn einer erfolgreichen Profikarriere, zu der er 1987 im Team des damals weltbesten Rennfahrers Sean Kelly startete. Inzwischen hat auch das Medium Fernsehen im Sport eine neue Zeitepoche ausgelöst. So konnte an unzähligen Rennen am Fernsehen live verfolgt werden, wie Wegmüller mit seiner kämpferischen Fahrweise das Publikum begeisterte. Unvergessen und in die Schweizer Radsportgeschichte eingegangen ist Paris-Roubaix 1988, als Wegmüller nach einer langen Flucht durch „die Hölle des Nordens“ am Schluss zu zweit um den Sieg kämpfte. Grausames Pech auf dem letzten Kilometer hinderte ihn am greifbaren Sieg, weil sich ein vom Wind verwehter Plastiksack in seinem Wechsel verhedderte. Es würde den Rahmen der Rückschau sprengen, alle grossen Leistungen in Wegmüller’s achtjährigen Profikarriere aufzuzählen, die er 1994 beendete.

Trotzdem und weil es so schön war, sollen die herausragendsten Leistungen nochmals in Erinnerung gerufen werden: Zwei Schweizer Meistertitel, Siege am GP des Nations in Cannes, Rund um den Henninger Turm, GP von Naquera, GP von Wallonien, Berner Rundfahrt sowie Etappensiege an der Dauphiné (mit Leadertrikot) und Kolumbien Rundfahrt. Dazu eine Reihe von Ehrenplätze, u.a. an den Weltcuprennen Paris-Roubaix, Flandernrundfahrt und vom GP von Montreal.

Auch wenn wir nun mit Thomas Wegmüller „Unsere Geschichte“ - die nicht vollständig ist, weil noch viele andere Vereinsmitglieder zum guten Ansehen des RRCB beigetragen haben - beenden, ist der RRCB natürlich nicht am Ende. Das Rad der Zeit steht nicht still. Im RRCB werden jetzt und in Zukunft neue Hoffnungsträger Vereinsgeschichte schreiben.


Der RRCB in Verbandsbehörden und als Organisator

Nicht nur Rennfahrer haben zum guten Ansehen des Vereins beigetragen. Die gute Arbeit der Vereinsverantwortlichen machten sich auch andere zu nutzen. Oefters war der RRCB mit kompetenten Fachleuten in der obersten Sportbehörde des SRB, im Kantonal- und Seeländer-Radsportverband vertreten.
Durch erste Rennerfolge ermutigt, organisierte der RRCB bereits im Jahre 1934 ein kantonales Radquer. Mit der Durchführung von nationalen, regionalen und clubinternen Veranstaltungen hat der RRCB schon einiges an organisatorischer Arbeit geleistet und viel zur Popularisierung des Radsportes in der Region Bern beigetragen. Das war nur möglich, weil sich immer wieder initiative Vereinsmitglieder dafür engagierten.
Unsere Veranstalterpalette von damals bis heute: Kantonale und nationale Quer- und Strassenrennen, Mannschaftsfahren, Bantiger Rundfahrt, Tour de Suisse Etappe, Nordwestschweizer Rundfahrt, Profi- und Amateurkriterien, Schweizer Kilometer-Test,29 Mal Radsporttag Münsingen und von 2002-2011 das Strassenrennen Bern-West.